Ungarn | 20. Tag
Von Szénpajtai-pihenő nach Bakonybel
Am Abend vorher erreichten wir gegen 20 Uhr den Rastplatz Szénpajtai-pihenő, der mitten im Wald an einer Wegkreuzung liegt. Uns erwartete eine frisch gemähte Wiese mit stabilen Bänken und Tischen, einem befestigten Unterstand und einem Plumpsklo.
Die Nacht war etwas unruhig. Im Wald fielen immer wieder Schüsse, Geländewagen fuhren im Dunkeln über die Waldwege am Rastplatz und am Morgen gab es ein scharrendes und nagendes Geräusch, das mich aufweckte. Dies war zwar ein komfortabler Rastplatz, aber die entlegeneren Stellen versprechen manchmal mehr Ruhe. Es ist immer ein Abwägen. Die Freude, am Morgen an einem Tisch zu frühstücken, ist mir immer eine große. Wie dampfend diese Tafel dann schon in der morgendlichen Sonne war, konnte ich im Video festhalten.
Unsere Tagesetappe wird gemächlich und kurz werden. Gerade mal 14 Kilometer bis Bakonybel hatten wir vor uns. Die Tage vorher waren wir schon mal länger unterwegs, heute durfte gebummelt werden.
Wasser sollten wir in Németbánya bekommen, wo die nächste blaue Pumpe uns Abkühlung bringen und unsere Wasservorräte auffüllen sollte. Natürlich liegt sie dann nicht direkt am Országos Kéktúra, sondern vorm Gemeindehaus (Faluház), wodurch wir noch einen kleinen Spaziergang durch die ehemalige Siedlung Deutschhütten (Németbánya) bekamen.

In der Siedlung erfuhren wir einiges über den Hintergrund der Bewohner, die aus Bayern, dem Schwarzwald und Tirol seit 1753 hier herkamen, um in Glashütten zu arbeiten. Aufgrund ökonomischer Bedingungen setzte seit 1905 eine Abwanderung aus der Region ein.

Nach 1948 konnten zudem noch die Familien ihre Koffer packen, die in der Volksbefragung von 1941 ihre Herkunft als Deutsch angegeben hatten und im Rahmen der ungarischen Entnazifizierung nach Deutschland ausreisen mussten. Entsprechende Hinweistafel und Denkmäler haben wir in dieser Region öfter gesehen. Verweise auf die aktive Beteiligung an den Verbrechen im Zweiten Weltkrieg keine.

Was uns hier auch wieder am Gemeindehaus begegnete sind die Angaben von EU-Zahlungen, die auf den weißen Plaketten jeweils das Projekt und die Höhe der Förderung transparent machen. In größeren Ortschaften füllt dies schon mal einen größeren Teil der Fassade.

Mit gefüllten Wasserflaschen ging es weiter durch den Wald. Wir liefen heute ebenfalls ein Stück auf dem ungarischen Teil des Jakobswegs, der von Budapest nach Santiago de Compostela führt.
Das Schild besagt ungefähr: Das Klettern auf die Bäume ist verboten und lebensbedrohlich. Gemeint sind damit weniger die Bäume im Wald, als die aufgestapelten Baumstämme am Wegesrand, die nicht selten zur Rast einladen, aber natürlich auch zum Klettern.
Am Ende des Tages hieß es wieder suchen. Nicht wie hier auf dem Bild die Frösche, sondern Zecken.




