Ungarn | 17. Tag
Pausentag in Balatonhenye
Startet man den Országos Kéktúra im Westen, dann liegt Balatonhenye ungefähr bei Kilometer 270. Damit liegt der größere Teil der Strecke noch vor uns, aber in den letzten Wochen hatten wir schon verschiedene Seiten von Ungarn kennengelernt. Der Weg am Vortag von Szentbékkálla nach Balatonhenye war außerordentlich schön, er führte durch Eichenwälder und über Wiesen – einer der schönsten Abschnitte der ganzen Wanderung, geprägt durch den lockeren Wechsel von Wald und Wiesen. Sogar eine kleine Wildschweinrotte haben wir in der Ferne gesehen, die sich zurückzog, sobald sie uns wahrnahm, und immer wieder kleine blaue Schmetterlinge auf dem Weg.
Über den Botos-hegy näherten wir uns unserem Ziel und genossen von diesem kleinen Hügel aus als erstes das Panorama, in das sich das Dorf Balatonhenye einfügte.
Ins Gemeindehaus
Geplant hatten wir zwei Übernachtungen im Gemeindehaus, das wir zuvor per E-Mail kontaktiert hatten. Nicht wenige der Gemeindehäuser auf dem Land halten Schlafmöglichkeiten vor, weil in den kleinen Kommunen Pensionen oder andere Unterkünfte nicht zur Verfügung stehen. Sie sind meist einfach ausgestattet, aber auf Selbstversorgung ausgerichtet, sodass eine Küche und manchmal sogar eine Waschmaschine mit dazugehört.
Mit einer Übersetzer-App ist es einfach, ungarische E-Mails zu verfassen, zu senden und die Antworten zu verstehen. Der Hinweis, wir sollten doch einfach kurz anrufen, sobald wir vor Ort wären, versetzte mich allerdings in Anspannung. Mein Hinweis, dass wir kein Ungarisch sprechen, wurde dahingehend beantwortet, dass die Gemeindekraft nur Ungarisch spreche. Dennoch sollten wir einfach anrufen. Das wurde tatsächlich eine kleine Herausforderung, aber wir schafften es. Wir bekamen nach der ausführlichen Anmeldeprozedur unseren Schlüssel für die Unterkunft und hatten damit einen schönen Pausentag vor uns. Auf dem Programm stand nur Basispflege: Erholen, Waschen und Einkaufen.
An unserem Pausentag verwandelten wir die Unterkunft erst in ein Waschhaus, dann später in eine Eintopfküche. Während unsere Sachen trockneten, zogen wir einmal durch und um das Dorf, genossen noch einmal die Aussicht vom Botos-hegy und versorgten uns in dem kleinen Dorfladen mit dem Nötigsten für unser Abendessen und die nächsten Tage.
Zwischenbilanz
Auf den bisherigen 270 Kilometern hatten wir „nur“ sechsmal gezeltet und schon drei Pausentage eingelegt – in Sárvár, Rezi und jetzt hier. Zusammen mit Budapest ergab sich am Ende ein recht ausgeglichenes Verhältnis von Zelt- und Unterkunftsnächten. Bei den steigenden Sommertemperaturen war es aber gut zu wissen, dass wir jederzeit unkompliziert an einem der Rastplätze entlang des Weges, oder einfach so unterwegs, zelten können. Was uns allerdings ein Rätsel blieb, ist die regulatorische Sorgfalt bei der offiziellen Anmeldung im Vergleich zur angenehmen Freizügigkeit bei der Übernachtung im Freien.





