Stempelsammeln auf dem Országos Kéktúra
Der Országos Kéktúra ist der ungarische Fernwanderweg, der das Land auf rund 1.200 Kilometern von West nach Ost durchquert. Bei einer vorherigen Wandertour auf dem Europäischen Fernwanderweg der Freundschaft (EB) von Eisenach nach Budapest waren wir mehrere Tage in Polen unterwegs und haben dabei die Freude am Stempelsammeln entdeckt. An markanten Stellen, auf Bergen oder Aussichtspunkten, in Herbergen oder in Tourismusbüros gibt es nicht selten einen oder auch mehrere Stempel, die sich gut im Tagebuch machen oder in ein entsprechendes Stempelheft passen. Sie dienen als Nachweis, zur Erinnerung und als willkommene Pausenerheiterung für unterwegs. Auf dem EB hatten wir 2022 kein Stempelheft dabei, sodass die Stempel im Tagebuch landeten – bunte und ansprechende Erinnerungen.

Für den Országos Kéktúra in Ungarn gibt es seit vielen Jahren ebenfalls ein Stempelheft. Unterwegs trafen wir Ungar:innen, die noch mit älteren Ausgaben des Stempelhefts unterwegs waren und darin seit Jahrzehnten ihre Stempel sammelten. Ihr Ziel war es, am Ende nachweisen zu können, alle Etappen vom Írott-kő bis Hollóháza gelaufen zu sein. Von Neuauflagen muss man sich nicht abschrecken lassen. Die Regeln des ungarischen Wandervereins sehen vor, dass jeweils die Regeln des Heftes gelten, mit dem man angefangen hat zu stempeln. Kommen später andere Strecken oder Stempel dazu, dann braucht man sie nur, wenn man die Strecke vorher noch nicht gewandert war. Unterwegs trafen wir auf wandernde Schulklassen, von denen einige ihre Hefte dabei hatten. Es gab Eltern mit Kindern, Paare, einzelne Wanderer und Wandererinnen sowie Gruppen von Seniorinnen und Senioren, die noch besonders alte Stempelhefte dabei hatten. Die fehlenden Stempel können nach Lust und Laune an freien Tagen, im Urlaub oder unterwegs erwandert und gesammelt werden.

Wie genau der ungarische Wanderverein es mit den Stempeln nimmt, dazu ein anderes Mal mehr. Wir waren im Frühjahr 2025 in Berlin und es war gar nicht so einfach, von dort an dieses Stempelheft zu kommen, denn viele ungarische Geschäfte versenden nicht ins europäische Ausland. Am Ende habe ich ein Sportgeschäft gefunden, das den Versand ins europäische Ausland ermöglicht hat. Dieser war allerdings wesentlich teurer als die Stempelhefte selbst. So konnten wir allerdings direkt von der österreichisch-ungarischen Grenze aus starten, ohne vorher in einer der größeren ungarischen Städte in einem Outdoorladen oder einer Bücherei zwei Ausgaben zu besorgen. Zum Heft gehört eine Karte mit Informationen zu den einzelnen Gebirgen, durch die sich der Wanderweg zieht, sowie Angaben zu Höhenmetern, Entfernungen und Einstiegspunkten mit Bus oder Bahn.
Im Heft ist dann jeweils die Wegführung des Országos Kéktúra angegeben, mit Hinweisen darauf, wann und wo die nächsten Stempel zu erwarten sind. Vor Ort wird dann jeweils mit blauen Stempeln zum richtigen Ort hingeführt. Dieser kann schon mal etwas abseits der Route liegen. Im schlimmsten Fall hat sich die Route geändert, eine Stempelstelle wurde aufgegeben oder es wurden, wie in unserem Fall, völlig neue Stempel hinzugefügt, die noch nicht in unserem Heft aufgeführt waren. Wir mussten sie alle einsammeln, da wir die Strecke zuvor noch nicht gewandert waren. So wollen es die Regeln.

Das ging natürlich nur, weil wir ein Stempelkissen eingepackt hatten, denn die sind unterwegs an den Stempelstellen nicht mit dabei. Bei 1 200 Kilometern lohnte sich ebenfalls ein Nachfüllpack mit Stempelfarbe, um unterwegs nicht irgendwann auf dem Trockenen zu stehen. Wobei wir von einem erfahrenen Wanderer unterwegs mitgeteilt bekommen haben: Zur Not genügt es, den Stempel anzuhauchen und dann abzustempeln. In den meisten Fällen sitzt noch genug Farbe darauf, um damit beim ungarischen Wanderverein zu bestehen.